Der Aufstieg des E-Commerce hat den Einzelhandel verändert und viele physische Geschäfte in Existenznot gebracht. Aber warum florieren einige Geschäfte, während andere schließen müssen? Eine neue Studie des Journal of Retailing geht dieser drängenden Frage nach und zeigt die Schlüsselfaktoren auf, die Ladenschließungen in einem zunehmend digitalen Markt beeinflussen.
Eine Studie zu den Gründen für Ladenschließungen
Auf der Grundlage eines umfangreichen Datensatzes zum deutschen Einzelhandel (2015-2020) haben die Ann-Kristin Kupfer und ihre Kollegen vier entscheidende Faktoren identifiziert, die das Überleben eines Geschäfts beeinflussen:
- Produktauswahl: Überraschenderweise wurden Geschäfte mit sehr einzigartigen Nischenprodukten eher geschlossen. Dies widerspricht der weit verbreiteten Annahme, dass exklusive Sortimente vor digitaler Konkurrenz schützen. Stattdessen könnte eine Ausrichtung auf den Massenmarkt eine sicherere Wahl sein – insbesondere für Mediengeschäfte.
- Geschäftsumfeld: Der Standort ist nach wie vor wichtig. Geschäfte in den Innenstädten sind stärker von der Schließung bedroht, während Geschäfte in gut erreichbaren Lagen oder größere Ladenformate bessere Überlebenschancen haben.
- In-Store Erlebnis: Eine einladende Atmosphäre hat sich als starker Faktor zur Vermeidung von Geschäftsschließungen erwiesen. Kunden schätzen das physische Einkaufserlebnis, und Geschäfte mit einer einladenden Atmosphäre ziehen mehr Laufkundschaft an.
- Reibungslose Transaktionen: Bequemlichkeit ist Trumpf. Geschäfte mit längeren Öffnungszeiten und Geschäfte, die zu Einzelhandelsketten gehören, mussten weniger häufig schließen, was wahrscheinlich auf eine bessere finanzielle Absicherung und betriebliche Effizienz zurückzuführen ist.
Warum sollten Handelsunternehmen sich dafür interessieren?
Aus der Studie lässt sich eine wichtige Lehre ziehen: Physische Geschäfte müssen die Erwartungen des digitalen Zeitalters mit ihren einzigartigen Stärken in Einklang bringen. Die Verbraucher erwarten zwar eine Bequemlichkeit, die mit dem Online-Shopping vergleichbar ist, aber sie suchen auch nach angenehmen Erlebnissen im Geschäft.
Einzelhändler sollten
- in die Atmosphäre des Geschäfts investieren – das Einkaufen zu einem Erlebnis machen, das Kunden online nicht haben können,
- Erreichbarkeit sicherstellen – erstklassige Standorte und günstige Öffnungszeiten bleiben unerlässlich,
- Nischenangebote überdenken – in bestimmten Kategorien können Standardsortimente sicherer sein,
- die Vorteile von Einzelhandelsketten nutzen – ein starker finanzieller Rückhalt und Markenbekanntheit helfen.
Warum sollten wir uns dafür interessieren?
Der Rückgang des stationären Handels betrifft nicht nur den Einzelhandel – er verändert das gesamte Stadtbild, unser Einkaufserlebnis und sogar die regionale Wirtschaft.
- Weniger Vielfalt, weniger Auswahl
Wenn immer mehr Geschäfte schließen, haben wir weniger Möglichkeiten, Produkte direkt anzuschauen, auszuprobieren oder spontan zu entdecken. Vor allem kleine, spezialisierte Läden mit einzigartigen Angeboten verschwinden zuerst – stattdessen dominieren große Ketten oder Online-Anbieter mit standardisiertem Sortiment.
- Unser Einkaufsverhalten bestimmt mit
Wenn wir bewusst in lokalen Geschäften einkaufen, unterstützen wir indirekt den Einzelhandel, den wir uns wünschen. Jeder Einkauf ist eine Entscheidung darüber, welche Geschäfte es in Zukunft noch geben wird.
- Lebendige Städte vs. Geisterzonen
Leere Schaufenster und verwaiste Einkaufsstraßen sind nicht nur unschön – sie haben Auswirkungen auf das gesamte Stadtleben. Weniger Geschäfte bedeuten weniger Fußgänger, was wiederum Restaurants, Cafés und andere Dienstleister trifft. Wenn wir weiterhin lebendige Innenstädte mit einem vielfältigen Angebot haben wollen, spielt unser Einkaufsverhalten eine große Rolle.
Die Studie zeigt, dass wir als Verbraucher nicht machtlos sind. Unser Verhalten beeinflusst, welche Geschäfte überleben und ob es auch in Zukunft attraktive Orte für den Offline-Einkauf geben wird. Die Frage ist nicht nur, wo wir heute einkaufen – sondern auch, welche Einkaufswelt wir morgen haben wollen.
Eine Zukunft ohne stationären Geschäften?
Der stationäre Einzelhandel ist nicht tot – aber er entwickelt sich weiter. Der Schlüssel zum Überleben liegt darin, sich an die sich ändernden Verbraucherpräferenzen anzupassen und gleichzeitig das zu bewahren, was den stationären Handel so besonders macht. Die Frage ist nicht, ob Geschäfte schließen werden, sondern welche Geschäfte im digitalen Zeitalter überleben werden.
Die Studie können Sie hier nachlesen:
https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0022435924000381?via%3Dihub
Bildquelle: DALL-E