đŸ»đŸ‘¶Gesunde GummibĂ€rchen und lustige Wurst: Kinderlebensmittel zwischen Marketingversprechen und VerbraucherrealitĂ€t

Worum geht es?

Kinderlebensmittel – bunt, praktisch und oft vermeintlich gesund – stehen nicht nur bei Kindern, sondern auch bei Eltern hoch im Kurs. Doch wie bewerten Konsumenten diese Produkte wirklich? WĂ€hrend Experten oft die hohe Zucker- und Fettbelastung kritisieren, bleibt unklar, wie Nicht-Experten, also die MĂŒtter und VĂ€ter, diese Lebensmittel wahrnehmen und welche Faktoren ihr Kaufverhalten beeinflussen. Eine neue Studie von Raphaela Bruckdorfer, Oliver BĂŒttner und Gunnar Mau fĂŒllt diese LĂŒcke.

Zwei groß angelegte Studien untersuchen, welche Überzeugungen Laien ĂŒber Kinderlebensmittel haben und wie sich diese Meinungen auf ihre Kaufentscheidungen auswirken. Mit einem neu entwickelten Fragebogen werden drei zentrale Dimensionen erfasst: „ErnĂ€hrungsbezogene Bedenken“, „Gesundheitlichkeit“ und „Bequemlichkeit“. Das Ziel: besser zu verstehen, wie Konsumenten diese Produkte wahrnehmen und wie politische und marktwirtschaftliche Maßnahmen darauf reagieren können.

Was findet die Studie heraus?

Die Studie deckt spannende WidersprĂŒche in der Wahrnehmung auf. Viele Konsumenten zeigen ernĂ€hrungsbezogene Bedenken, z. B. ĂŒber den hohen Zucker- und Fettgehalt oder die Verwendung von Zusatzstoffen. Gleichzeitig nehmen sie die Produkte oft als praktisch wahr und schĂ€tzen ihre vermeintlichen positiven Aspekte fĂŒr die Gesundheit, besonders wenn sie mit Vitaminen und Mineralstoffen beworben werden. Diese Diskrepanz zeigt, dass Laienmeinungen komplex und teils widersprĂŒchlich sind. Die Ergebnisse der ersten Studie mit 444 Teilnehmern zeigen, dass Menschen mit einem rationaleren Denkstil kritischer gegenĂŒber den Produkten sind, wĂ€hrend intuitive Denker diese positiver bewerten.

Auch soziodemografische Faktoren spielen eine Rolle: Personen mit höherem Bildungs- und Einkommensniveau bewerten die Produkte skeptischer in Bezug auf NĂ€hrstoffe und positive Gesundheitseffekte, wĂ€hrend Convenience fĂŒr alle Gruppen ein wichtiges Kaufmotiv bleibt. Die zweite Studie mit 571 Eltern bestĂ€tigt, dass die Wahrnehmung der vermeintlich positiven Gesundheitseffekte stark mit der KaufhĂ€ufigkeit korreliert. Insgesamt zeigt sich: WĂ€hrend Verbraucher kritisch sind, lassen sie sich durch Bequemlichkeit und attraktive Vermarktung oft doch zum Kauf der Kinderlebensmittel bewegen.

Was bedeutet diese Studie fĂŒr uns als Konsumenten?

FĂŒr Verbraucher bedeutet dies, dass wir oft zwischen vermeintlich gesunden Botschaften der Hersteller und berechtigter Skepsis navigieren mĂŒssen. Die Studie unterstreicht die Bedeutung von bewussten Kaufentscheidungen. Ansprechende Verpackungen und Gesundheitsclaims können die Wahrnehmung beeinflussen, weshalb es wichtig ist, die tatsĂ€chlichen Inhaltsstoffe zu prĂŒfen. Praktische Aspekte wie die „MitnahmefĂ€higkeit“ der Produkte spielen ebenfalls eine Rolle, können jedoch nicht ĂŒber potenzielle Gesundheitsrisiken hinwegtĂ€uschen. Verbraucher sollten sich fragen: Sind diese Lebensmittel wirklich besser fĂŒr Kinder oder nur bequem?

Was kann der Verbraucherschutz lernen?

FĂŒr den Verbraucherschutz ergeben sich aus der Studie wichtige Handlungsfelder. Zuerst zeigt sich, dass viele Konsumenten wissen, dass viele Kinderlebensmittel zu viel Fett oder Zucker enthalten. Trotzdem kaufen sie diese Produkte. Eine Verbraucherschutzkampagne, die ausschließlich darauf abzielt, ĂŒber die ungĂŒnstige NĂ€hrstoffzusammensetzung der Kinderlebensmittel abzielt, greift also zu kurz.

Vielmehr sollten andere Aspekte betont werden, wie beispielsweise die Wirkung der zugesetzten Vitamine. So sollte die Regulierung irrefĂŒhrender Werbeaussagen verschĂ€rft werden. Besonders Begriffe wie „gesund“ oder „natĂŒrlich“ sollten nur verwendet werden dĂŒrfen, wenn sie klar definierten Kriterien entsprechen. Zum anderen sind AufklĂ€rungskampagnen essenziell, um Verbraucher fĂŒr die tatsĂ€chliche NĂ€hrstoffqualitĂ€t kindgerechter Produkte zu sensibilisieren.

Die Studie zeigt auch, dass Bequemlichkeit ein zentrales Motiv ist. Daher könnten Initiativen gefördert werden, die praktische Alternativen zu stark verarbeiteten Lebensmitteln aufzeigen – etwa Rezepte fĂŒr schnelle, gesunde Snacks oder Schulprojekte zur ErnĂ€hrungsbildung. Eine weitere Möglichkeit wĂ€re die EinfĂŒhrung klarer Kennzeichnungen, die Eltern auf einen Blick ĂŒber Zucker-, Fett- und Kaloriengehalt informieren. Solche Maßnahmen könnten Verbrauchern helfen, informierte Entscheidungen zu treffen.

DarĂŒber hinaus sollte der Verbraucherschutz Hersteller in die Pflicht nehmen, ihre Produkte transparenter zu gestalten und ungesunde Zusatzstoffe zu reduzieren. Langfristig könnten auch Subventionen fĂŒr gesĂŒndere Alternativen dazu beitragen, diese erschwinglicher und attraktiver zu machen. Letztlich geht es darum, den Druck auf die Industrie zu erhöhen, nicht nur kindgerechte, sondern auch gesundheitsfördernde Produkte anzubieten.

Die Studie können Sie hier nachlesen:

https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0195666324005774

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