Worum geht es?
Was verrät die Verpackung eines Geschenks über dessen Wert? Eine aktuelle Studie von Haijiao Shi und Kollegen rückt ein oft unterschätztes Detail von Geschenken in den Mittelpunkt: die Verpackung. Sie zeigt, wie Schenkende und Beschenkte ein und dasselbe Objekt ganz unterschiedlich wahrnehmen können – je nachdem, wie aufwendig es verpackt ist: Während wir gemeinhin davon ausgehen, dass eine aufwendige Verpackung ein Zeichen von Wertschätzung ist, zeigen die Ergebnisse der Studie, dass diese Annahme trügerisch sein kann.
Was findet die Studie heraus?
Die Forschung, die in gleich fünf Studien konsistente Ergebnisse liefert, zeigt eine deutliche Kluft zwischen den Einstellungen von Gebern und Empfängern. Schenkende neigen dazu, übermäßig aufwendig verpackte Geschenke als Beleg ihrer Mühe und Aufmerksamkeit zu sehen. Sie glauben, dass eine kunstvolle Hülle dem Gegenüber ein Gefühl von Besonderheit vermittelt. Die Empfänger hingegen bewerten dieselbe Inszenierung oft kritisch. Für sie wirkt ein allzu aufwendiges Geschenkpapier nicht nur verschwenderisch, sondern auch wie ein Versuch, mangelnde inhaltliche Qualität oder fehlende echte Zuwendung zu kaschieren.
Besonders stark tritt diese Diskrepanz in Situationen hervor, in denen Geschenke eher obligatorischer Natur sind, etwa an Feiertagen oder in weniger engen sozialen Beziehungen. In engen Freundschaften und familiären Bindungen verliert die Verpackung dagegen stark an Bedeutung. Hier zählt vor allem der tatsächliche Wert des Geschenks – im Sinne persönlicher Relevanz und Zuwendung – unabhängig von seiner äußeren Hülle.
Was bedeutet diese Studie für uns als Konsumenten?
Diese Erkenntnisse legen nahe, dass wir als Konsumentinnen und Konsumenten beim Schenken auch über die Bedeutung der Verpackung reflektieren müssen. Anstatt auf Hochglanzpapier, pompöse Schleifen oder mehrschichtige Kartonagen zu setzen, lohnt es sich, die Perspektive der Empfänger zu berücksichtigen. Wer eng verbunden ist, freut sich oft mehr über eine schlichte, aber authentische Geste. Weniger vertraute Beziehungen profitieren von einem subtilen Maß an Sorgfalt in der Verpackung, das zwar Wertschätzung signalisiert, aber nicht übertrieben wirkt. Nachhaltige Materialien oder eine minimalistische Ästhetik könnten eine attraktive Alternative darstellen – sie vermitteln nicht nur ein Gefühl von Ehrlichkeit, sondern signalisieren auch andere Werte.
Was kann der Verbraucherschutz lernen?
Verbraucherschutzorganisationen könnten diese Forschungsergebnisse nutzen, um Konsumentinnen und Konsumenten für bewussteren Ressourcenverbrauch zu sensibilisieren. Wenn wir weniger Wert auf die äußere Aufmachung legen und mehr auf die inhaltliche Qualität eines Geschenks achten, reduzieren wir unnötigen Abfall und setzen ein Zeichen gegen übertriebene Inszenierungen. Bildungsinitiativen und Informationskampagnen könnten dazu beitragen, Verbraucherinnen und Verbraucher darin zu bestärken, hinter die Fassade zu blicken und sinnvolle Formen von Wertschätzung neu zu definieren.
Die Studie können Sie hier nachlesen:
Bildquelle: chatgpt