Ein Produkt für 199,99 € statt 200 € scheint das bessere Angebot zu sein – ist aber oft nur ein psychologischer Trick. Eine neue Studie von Schneider, Park und Guha (2025) zeigt, wie Händler den sogenannten „Left-Digit-Effekt“ gezielt nutzen können, um Rabatte attraktiver erscheinen zu lassen. Doch wie können sie ihn optimieren – und wie können wir als Konsumentinnen und Konsumenten trotzdem bewusstere Kaufentscheidungen treffen?
Wie optimiert der Handel den „Left-Digit-Effekt“?
Die Studie zeigt, dass der Handel die Wirkung von linksbündigen Preisänderungen verstärken kann, indem er bestimmte Faktoren gezielt steuert:
- Rabatte ohne Prozentangaben machen den Vergleich schwerer
Wenn keine genaue Prozentangabe wie „10 % Rabatt“ genannt wird, fällt es schwerer, den tatsächlichen Preisvorteil einzuschätzen – was den Rabatt subjektiv größer erscheinen lässt.
- Farben signalisieren fälschlicherweise Rabatte
Die Studie belegt, dass rote Preisschilder Kaufentscheidungen emotionaler machen und die Wahrnehmung des Rabatts verstärken. Ein blauer Hintergrund hingegen dämpft diesen Effekt.
- Manche Kundengruppen sind anfälliger
Käuferinnen und Käufer, die impulsiv oder emotional entscheiden, reagieren besonders stark auf den Left-Digit-Effekt. Händler richten ihre Preisstrategie gezielt an diese Gruppen – insbesondere an einkommensschwächere Verbraucher, die laut der Studie anfälliger für heuristische Preiswahrnehmung sind..
Wie können wir uns davor schützen?
Die Ergebnisse der Studie helfen nicht nur dem Handel – sie sind auch für bewusste Verbraucher nützlich. So entlarven Sie Preisstrategien:
✅ Berechnen Sie den tatsächlichen Rabatt – lassen Sie sich nicht von „krummen“ Preisen oder fehlenden Rabattangaben täuschen.
✅ Rabatte ganz bewusst in Frage stellen – Die Studie ergab, dass viele Befragte eine Preisänderung von 299,99 € auf 249,99 € als größeren Rabatt wahrnehmen als eine Preisänderung von 300,00 € auf 249,00 €, obwohl der Unterschied fast gleich ist.
✅ Emotionale Reaktionen erkennen – Wenn ein rotes Preisschild oder die Aufschrift „Discount billig“ die Aufmerksamkeit auf sich zieht, kann dies unsere Preiswahrnehmung beeinflussen. Fragen Sie sich, ob dahinter wirklich ein günstiger Preis steckt. Oft ist das nämlich nicht der Fall.
Was bedeutet das für Verbraucherschutz und die Verbraucherpolitk?
Die Studie zeigt, dass Händler mit minimalen Preisänderungen starke Kaufimpulse auslösen können. Für den Verbraucherschutz bedeutet dies, dass mehr Transparenz uns Verbrauchern helfen kann, bewusstere Entscheidungen zu treffen:
🔹 Eine Verpflichtung zur Angabe des tatsächlichen Rabattwertes (z.B. in Euro) könnte helfen, Fehleinschätzungen zu reduzieren.
🔹 Die Aufklärung der Verbraucher über psychologische Preisstrategien wäre ein wichtiger Schritt, um bewusste Kaufentscheidungen zu fördern. Zum Beispiel in einem Schulfach „Wirtschaft“
Die Studie von Schneider, Park und Guha (2025) zeigt, wie gezielt Händler Preisstrategien einsetzen – aber wer diese Mechanismen versteht, kann bessere Kaufentscheidungen treffen und sich vor scheinbaren Schnäppchen schützen!
Die Studie können Sie hier nachlesen:
https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0022435925000089?via%3Dihub
Bildquelle: Dall-E