„Buy Now, Pay Later“: Verführerische Ratenzahlung oder verlockende Falle

Die neue Art des Bezahlens

„Buy Now, Pay Later“ (BNPL) boomt – doch welchen Einfluss hat diese Zahlungsmethode tatsächlich auf unser Kaufverhalten? Die aktuelle Studie von Maesen und Ang (2024) zeigt: Wer in Raten zahlt, gibt mehr aus – und zwar nicht nur kurzfristig, sondern dauerhaft.

 

Warum kaufen wir mehr mit BNPL?

BNPL-Anbieter wie Klarna, Afterpay oder Affirm locken mit zinsfreien Ratenzahlungen. Das klingt verlockend, weil die Kosten geringer erscheinen, wenn sie auf mehrere Wochen verteilt werden. Doch genau hier liegt der Hase im Pfeffer: Die Studie zeigt, dass BNPL-Nutzer im Schnitt 10 Prozent mehr ausgeben und häufiger einkaufen. Besonders betroffen sind Verbraucher, die ohnehin eher zu Krediten oder kleineren Anschaffungen neigen.

BNPL verringert das Gefühl finanzieller Einschränkungen. Die Forscher führen dies auf zwei Effekte zurück:

✅ Geringere gefühlte Kosten – Eine Zahlung von viermal 15 € erscheint harmloser als eine Zahlung von einmal 60 €.

✅ Bessere Budgetkontrolle – Durch feste Ratenzahlungen fühlen sich Verbraucher organisierter.

Aber Vorsicht: Während BNPL kurzfristig Erleichterung bringen, können sie langfristig zu finanzieller Überlastung führen – insbesondere, wenn mehrere BNPL-Verpflichtungen parallel laufen.

Was bedeutet das für Verbraucher und den Handel?

Für Händler: Mehr Umsatz, aber zu welchem Preis?

Für den Einzelhandel klingt BNPL wie ein Segen, denn die Möglichkeit der Ratenzahlung erhöht nicht nur den durchschnittlichen Einkaufswert, sondern führt auch zu häufigeren Einkäufen. Kunden, die sich ein Produkt sonst nicht leisten würden, greifen dank BNPL eher zu. Diese kurzfristige Umsatzsteigerung hat aber auch eine Kehrseite: Geraten Kunden in finanzielle Schwierigkeiten, sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass sie langfristig treu bleiben und regelmäßig einkaufen. Händler müssen sich daher fragen, ob BNPL wirklich eine nachhaltige Strategie ist oder ob es nicht sinnvoller wäre, alternative Anreize für wiederkehrende Einkäufe zu schaffen – zum Beispiel durch Treueprogramme oder gezielte Rabatte.

Für Verbraucherinnen und Verbraucher: Bequem, aber riskant

Auf den ersten Blick scheint die BNPL eine gute Möglichkeit zu sein, größere Anschaffungen zu tätigen, ohne das Konto sofort zu belasten. Doch genau hier liegt die Gefahr: Viele kleine Raten können sich schnell zu einer finanziellen Belastung summieren. Besonders problematisch wird es, wenn Verbraucher mehrere BNPL-Käufe parallel laufen haben und den Überblick verlieren. Wer die Raten nicht pünktlich zahlt, riskiert Mahngebühren oder sogar einen negativen Schufa-Eintrag. Verbraucherinnen und Verbraucher sollten sich daher bewusst machen, ob sie sich die Raten langfristig wirklich leisten können und ob BNPL für ihre finanzielle Situation sinnvoll ist.

Für den Verbraucherschutz: Mehr Aufklärung nötig

Da BNPL oft als harmlose Alternative zu Kreditkarten angepriesen werden, unterschätzen viele Verbraucher die Risiken. Verbraucherschützer sollten verstärkt darauf hinweisen, dass auch zinslose Ratenzahlungen zur Schuldenfalle werden können – vor allem, wenn sie unkontrolliert genutzt werden. Um versteckte Gebühren oder intransparente Vertragsbedingungen zu vermeiden, bedarf es zudem klarer gesetzlicher Regelungen. Ein wichtiger Ansatzpunkt wäre eine bessere Kennzeichnung der tatsächlichen finanziellen Verpflichtungen und der möglichen Konsequenzen bei Zahlungsverzug.

 

Die Zukunft mit Ratenzahlungen?

BNPL ist längst mehr als ein Trend – es verändert grundlegend die Art und Weise, wie wir einkaufen und bezahlen. Die Zahl der Nutzer wächst weltweit und immer mehr Händler integrieren BNPL in ihre Zahlungsoptionen. Doch die Entwicklung wirft auch Fragen auf: Wird die Ratenzahlung zur neuen Normalität oder drohen strengere Regulierungen, um die Verbraucher besser zu schützen?

Tatsächlich sind bereits erste Regulierungsmaßnahmen in verschiedenen Ländern zu beobachten:

  • Großbritannien plant eine gesetzliche Regulierung von BNPL-Dienstleistungen, die verpflichtende Bonitätsprüfungen vorsieht. Zudem müssen die Anbieter die Kunden klarer über die Risiken informieren und versteckte Gebühren vermeiden.
  • Australien führt 2021 strengere Anforderungen ein, die BNPL-Anbieter verpflichten, verantwortungsvolle Kreditvergaberichtlinien einzuhalten und sicherzustellen, dass die Kunden die Ratenzahlungen leisten können.
  • Schweden, Heimat des BNPL-Giganten Klarna, verlangt nun, dass klassische Zahlungsmethoden wie Überweisungen oder Kreditkarten im Online-Checkout prominenter dargestellt werden als BNPL-Optionen. Damit soll verhindert werden, dass Verbraucher unbewusst zur Ratenzahlung greifen.

Gleichzeitig könnten neue Technologien den Markt weiter verändern. KI-gestützte Finanz-Apps könnten helfen, BNPL-Nutzer besser zu beraten und individuelle Finanzpläne zu erstellen.

Für Verbraucher bedeutet das: Wer verantwortungsvoll mit BNPL umgeht, kann von mehr Flexibilität profitieren. Wer jedoch unüberlegt kauft, könnte langfristig in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Es bleibt also spannend, ob BNPL in Zukunft als clevere Finanzlösung oder als Problemfall der Konsumgesellschaft wahrgenommen wird.

Die Studie können Sie hier nachlesen:

https://www.ama.org/2025/02/04/buy-now-pay-later-increases-customer-spending/

Bildquelle: Runware

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