Worum geht es?
Kennen Sie das Gefühl? Sie haben gerade Ihre Runde durch die digitale Welt gedreht: Instagram durchgescrollt, Facebook gecheckt, E-Mails beantwortet und Ihren WhatsApp-Status aktualisiert. Jetzt sitzen Sie da, das Smartphone noch in der Hand, und fühlen sich seltsam leer. Übersättigt von Informationen, aber gleichzeitig unerfüllt. Frustriert von den scheinbar endlosen Urlaubsfotos und Erfolgsgeschichten anderer, während Ihr eigener Alltag so gewöhnlich erscheint. Und dann der Blick auf die Uhr – schon wieder ist wertvolle Zeit im digitalen Sog verschwunden. Wenn Ihnen diese Situation bekannt vorkommt, sind Sie nicht allein. Immer mehr Menschen spüren dieses digitale Unwohlsein und sehnen sich nach einem Ausweg. Willkommen in der Welt des Digital Detox – Ihrem Weg zurück zur digitalen Balance. Was liegt da näher, als einfach mal ganz bewusst den Konsum digitaler Medien zu reduzieren?
Eine aktuelle Studie untersucht das Konzept des Anti-Konsums, insbesondere unter dem Gesichtspunkt der „digitalen Entgiftung“, dem „digital detox“, bei der sich Personen bewusst von der Technologie abkoppeln, um die Kontrolle zurückzugewinnen und ihr Wohlbefinden zu steigern. Das Paper untersucht den Prozess des Anti-Konsums, also die Phasen, die wir beim digital detox durchlaufen.
Was findet die Studie heraus?
Die Forscherinnen Kelley Anderson und ihre Kolleginnen vom College of Charleston und der University of Alabama haben ein dreistufiges Modell dieser Phasen entwickelt, das sie „Anti-Konsum-Reise“ nennen. Diese Reise startet, wenn Verbraucher merken, dass sie ihr Leben durch die übermäßige Nutzung von Technologie aus den Fugen geraten lassen. Diese erste Etappe, die sie „Prä-Anti-Konsum“ nennen, ist durch Gefühle der Angst und des Kontrollverlusts gekennzeichnet. Manche von uns kennen das als „Konsum-Unwohlsein“.
In der nächsten Phase, der Anti-Konsum-Immersion, entwickeln die Detoxer neue Gewohnheiten, um die von der Technologie hinterlassene Leere zu füllen. Aktivitäten wie die Beschäftigung mit der Natur, Lesen oder kreative Tätigkeiten helfen ihnen, sich abzulenken. Diese Phase sei jedoch nicht ganz unproblematisch, sagen die Forscherinnen, da die Betroffenen oft mit der Angst konfrontiert sind, „etwas zu verpassen“ (dem FoMo) oder Schwierigkeiten haben, sich von den kulturellen Normen der ständigen Erreichbarkeit zu lösen. Dabei helfen können soziale Bindungen und Achtsamkeit.
In der letzten Phase, der Post-Anti-Konsum-Phase, kehren die Leute mit einem neuen Gleichgewichtssinn in ihren Alltag zurück. Sie verzichten vielleicht nicht komplett auf Social Media, aber sie setzen sich mehr Grenzen und versuchen bewusster mit den Median umzugehen. Das klappt mal besser und mal schlechter, wie die Forscheinnen berichten: Nicht selten fallen wir wieder in alter Muster zurück.
Was bedeutet diese Studie für uns als Konsumenten?
Stellen Sie sich vor, Sie greifen morgens als Erstes zum Smartphone, checken ständig Ihre E-Mails und scrollen abends im Bett noch durch soziale Medien. Kommt Ihnen das bekannt vor? Die Studie zeigt, dass viele Menschen unter einer solchen „digitalen Überladung“ leiden und sich nach mehr Kontrolle über ihre Technologienutzung sehnen. Ein „Digital Detox“, also eine bewusste Auszeit von digitalen Geräten, kann hier Abhilfe schaffen. Doch der Weg dorthin ist nicht einfach. Die Forscherinnen identifizierten Faktoren, die Ihnen dabei helfen können:
Ersetzen Sie digitale durch analoge Aktivitäten. Lesen Sie ein Buch statt auf dem Tablet zu surfen oder treffen Sie Freunde persönlich statt zu chatten.
Pflegen Sie echte soziale Kontakte. Ein Gespräch von Angesicht zu Angesicht kann erfüllender sein als hundert Likes.
Üben Sie Achtsamkeit. Nehmen Sie Ihre Umgebung bewusst wahr, statt ständig aufs Handy zu starren.
Gleichzeitig gibt es Hindernisse: Entzugserscheinungen, Angst etwas zu verpassen und die Frage nach der eigenen Identität ohne ständige Online-Präsenz. Die gute Nachricht: Mit der richtigen Vorbereitung und Unterstützung können Sie lernen, Technologie bewusster und kontrollierter zu nutzen. Das kann Ihr Wohlbefinden steigern und Ihnen helfen, im Hier und Jetzt präsenter zu sein.
Was kann der Verbraucherschutz lernen?
Auch als Verbraucherschützer sollten Sie diese Erkenntnisse im Blick haben. Zunächst einmal ist Aufklärung das A und O. Wie bei einer Diät gibt es auch beim digitalen Fasten Vor- und Nachteile. Wussten Sie, dass manche Menschen regelrechte Entzugserscheinungen entwickeln? Schweißausbrüche, Unruhe, sogar Angstzustände können auftreten. Andererseits berichten viele von einem Gefühl der Befreiung und neugewonnener Kreativität. Hier kommt der Verbraucherschutz ins Spiel: Entwickeln Sie Unterstützungsangebote für diejenigen, die den digitalen Entzug wagen. Das könnte von Hotlines bis hin zu lokalen Treffen reichen, wo sich „Digital Detoxer“ austauschen können. Letztendlich geht es aber um mehr als nur Verzicht. Es geht um einen bewussten Umgang mit Konsum – digital und analog. Sensibilisieren Sie die Verbraucher dafür, ihr Konsumverhalten zu hinterfragen. Ist jeder Online-Einkauf nötig? Muss wirklich jede Nachricht sofort beantwortet werden? Ihr Ziel als Verbraucherschützer ist sicher nicht die digitale Abstinenz der Menschen, sondern ein reflektierter Umgang mit den digitalen Möglichkeiten unserer Zeit. Denn am Ende des Tages ist es wie mit einem guten Essen: Genuss in Maßen macht glücklich, Überkonsum führt zu Unwohlsein.
Die Studie können Sie hier nachlesen:
https://onlinelibrary.wiley.com/doi/epdf/10.1002/cb.2390
Bildquelle: Flux AI, https://fastflux.ai/